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<article id="debian-med">
  <articleinfo>
    <title>Debian-Med</title>
    <subtitle>Freie Software im Gesundheitswesen</subtitle>
    <author>
      <firstname>Andreas</firstname>
      <surname>Tille</surname>
    </author>
    <copyright>
      <year>2003</year>
      <holder>Andreas Tille</holder>
    </copyright>
    <date>v0.1 27 April 2003</date>
  </articleinfo>


<abstract>
Nach der Etablierung von Linux als Serverbetriebssystem entwickelt
es sich nun auch zusehends zum akzeptablen Desktop-Betriebssystem.
Die Hauptargumente dafür sind Sicherheit und Kostengründe.  Sehr
großes Interesse finden dabei Büroanwendungen.  Der Grund dafür ist
die große Nutzerbasis, die das für Open Source Entwicklungen nötige
Entwicklerpotential mit sich bringt.

Handelt es sich jedoch um die Lösung spezieller Aufgaben, wie etwa
die Verwaltung einer Arztpraxis, so ist auf Grund des kleineren
Anwenderkreises auch der Anteil der darunter befindlichen erfahrenen
Programmierer deutlich geringer.  Seit einiger Zeit ist jedoch auch
für viele Spezialgebiete Freie Software entwickelt worden und es
besteht durchaus die Aussicht, daß Freie Software hier in Konkurrenz
zu proprietären Produkten treten kann.

Diese Entwicklung ist durchaus wirtschaftlich sinnvoll.  Der Bedarf
für Wartung und Dienstleistung in diesen speziellen Gebieten ist
deutlich höher und erfordert das Spezialwissen von auf dem jeweiligen
Fachgebiet kompetenten Experten.  Insofern spielen die reinen
Anschaffungskosten der eingesetzten Software eine untergeordnete
Rolle, was Freie Software durchaus interessant macht und
vielversprechende Geschäftsmodelle für Dienstleister ermöglicht.

Der Artikel bietet einen Überblick über derzeit existierende Freie
Software auf dem Gebiet der Medizin und skizziert, wie diese Software
in die Debian GNU/Linux Distribution integriert werden kann.  Es
werden die Vorteile einer einheitlichen Integrationsplattform
diskutiert und begründet, warum Debian GNU/Linux zu diesem Zweck
ausgewählt wurde.
</abstract>

<toc/>

<section>
 <title>Motivation</title>

<para>
Es gibt sehr verschiedenartige Anwendungen für die elektronische
Datenverarbeitung im Gesundheitswesen.  Daraus resultieren
verschiedene Nutzergruppen mit teilweise sehr unterschiedlichen
Bedürfnisse.  Diese Nutzergruppen können in folgende Kategorien
eingeteilt werden:
</para>
<para>
<variablelist>
<varlistentry>
<term>Allgemein praktizierende Ärzte</term>
<listitem>
 <itemizedlist>
  <listitem>Die wichtigste Anwendung für praktizierende Ärzte ist eine
        sichere und zuverlässige papierlose Praxis-Verwaltung.  Ein
	Datenverlust bei der täglichen Arbeit oder beim Übergang auf
	ein anderes System ist nicht akzeptabel.  Darüber hinaus
	müssen Patientendaten aus Datenschutzgründen absolut
	zuverlässig vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.
	Schließlich ist auch der Nachweis, daß die Daten nicht
	manipuliert wurden, für den Arzt sehr wichtig, denn nur dann
	kann die elektronische Patientenkarte als vollwertiger Ersatz
	für die Patientenakte auf Papier dienen.
  </listitem> 
  <listitem>Die Effektivität der täglichen Arbeit erfordert eine leichte
        und schnelle Bedienung, die es dem Arzt ermöglicht, so schnell
        wie möglich die erforderlichen Daten abzurufen und zu erfassen.
        Der Computer sollte dem Arzt die maximale Konzentration auf
        den Patienten ermöglichen und selbst kaum Aufmerksamkeit
        erfordern.
  </listitem>
 </itemizedlist>
</listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Stationäre Patientenverwaltung</term>
<listitem>
 <itemizedlist>
  <listitem>Hinsichtlich der Sicherheit und der Vertrauenswürdigkeit gilt
        für die klinische Patientenverwaltung das gleiche wie für die
        allgemeine Arztpraxis.  Jedoch kommt dem Aspekt der sicheren
        Kommunikation, sprich dem Austausch klinischer Daten, hier
        eine bedeutend wichtigere Rolle zu.  Natürlich ist auch eine
        bedeutend größere Patientenzahl durch die Software zu
        bewältigen.
  </listitem>
  <listitem>Daher ist ein standardisierter Austausch medizinischer Daten
        eine notwendige Anforderung an ein Programm zur klinischen
        Patientenverwaltung. 
  </listitem>
 </itemizedlist>
</listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Medizinische Forschung</term>
<listitem>
 Es gibt eine Vielzahl von Anwendungen, die für die medizinische
 Forschung nützlich sein können.  Beispiele für Felder, auf denen Freie
 Software verfügbar ist oder sich in der Entwicklung befindet sind:
 <itemizedlist>
  <listitem>Offene Plattform für Telepathologie</listitem>
  <listitem>Offene Umgebung für medizinische Studien</listitem>
 </itemizedlist>
</listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Mikrobiologie</term>
<listitem>
 <itemizedlist>
  <listitem>Es existiert eine große Anzahl Freier Software Werkzeuge für
        die Analyse von Protein- und DNA-Sequenzen.  Viele davon sind
        bereits in Debian integriert und weitere werden hinzugefügt.
        Leider sind viele dieser Programme typische
        UNIX-Kommandozeilenwerkzeuge, deren Bedienung für die ins Auge gefaßte Nutzergruppe
        nicht leicht zu erlernen ist.  Allerdings befinden sich
        integrierte graphische Benutzeroberflächen in Entwicklung.
  </listitem>
  <listitem>Wünschenswert wäre hier ein portables Datenformat, das
        zwischen diesen Programmen einen einfachen Austausch ermöglicht.
  </listitem>
 </itemizedlist>
</listitem>
</varlistentry>
</variablelist>
</para>
</section>

<section>
 <title>Nutzerprofil</title>

<para>
Der typische Nutzer von Debian-Med wird in der Regel eine geringe
technische Kompetenz und nur begrenzte Kenntnisse über die Interna von
Computern besitzen.  Er ist Experte auf dem Gebiet der Medizin oder
Mikrobiologie und benötigt den Computer als zuverlässiges Werkzeug.
</para>

<para>
Der nötige Aufwand, um Freie Software selbst aus dem Internet zu
holen, sie eventuell aus dem Quellcode zu compilieren, nachdem er die
Installationsanweisungen gelesen und verstanden hat, und schließlich die
Installation der compilierten Software auf dem eigenen Computer ist
schlicht inakzeptabel, weil der Nutzer keine Qualifikation für derlei
Aufgaben hat.  Er benötigt einfach ein fertig benutzbares System, mit
dem er seine eigentliche Arbeit optimal erfüllen kann.
</para>

<para>
Weiterhin hat der typische Nutzer von Debian-Med kein Interesse an der
Administration des Betriebssystems, wie an der Einrichtung spezifische
Nutzergruppen für spezielle Aufgabenfelder oder um die Software auf
dem System auf dem aktuellen Stand zu halten.
</para>

<para>
Für den medizinischen Bereich ist nur eine begrenzte Untermenge der
verfügbaren Freien Software von Interesse.  Beispielsweise werden
Mediziner nur in äußerst seltenen Fällen selbst Software entwickeln
und benötigen daher in der Regel keine Entwicklungsumgebung.  Wenn
jedoch Dienste (z.B. Web-Server) für ein Endanwenderprogramm nötig
sind, so sollten diese zuverlässig funktionieren, ohne dem Endanwender
Aufmerksamkeit abzufordern.
</para>

<para>
Eine äußerst wichtige Anforderung ist die leichte Bedienbarkeit der
Software.  Gerade in der Medizin ist Zeit wertvoll wenn nicht sogar
entscheidend für Menschenleben.  Daher sind durch Bedienprobleme
verursachte Verzögerungen unakzeptabel. (Dabei kann schlechte
Bedienerführung sogar zur Gefährdung von Patienten führen, wie das
<ulink url="http://www.uoguelph.ca/~meby/">Therac-25 -
Beispiel</ulink> zeigt.)
</para>

<para>
Sicherheit und Vertraulichkeit von Daten sind ein absolutes Muß im
Gesundheitswesen.  Weder der Verlust von Daten noch die Einsichtnahme
durch Dritte sind akzeptabel.  Das gilt ebenso für alle zukünftigen
Aktualisierungen der Software.
</para>

<para>
Nutzer, die Englisch nicht als Muttersprache erlernt haben, sind im
Englischen oft nicht sicher genug und benötigen daher Dokumentation
und Nutzerführung in Ihrer Muttersprache.  Dieses ist ein wichtiger
Punkt um freie medizinische Software auf der ganzen Welt zu verbreiten.
</para>
</section>

<section>
 <title>Status Freier Software in der Medizin</title>

<para>
Da die Mikrobiologie in vielen Bereichen der Medizin eine wesentliche
Rolle spielt, unterstützt Debian-Med auch diese Gruppe von
Programmen. Hierbei fällt besonders auf, daß vielen dieser Programme
eine graphische Benutzeroberfläche fehlt.  Darum werden diese
Programme, die oft von sehr hoher Qualität sind, von vielen
Mikrobiologen nicht benutzt.  Derzeit gibt es Projekte, in denen die
kommandozeilenorientierten Werkzeuge unter einer graphischen
Benutzeroberfläche vereinigt werden.

Die momentan in Entwicklung befindliche Praxisverwaltungssoftware
besitzt normalerwiese graphische Oberflächen. Doch diesen fehlt oft
die eine oder andere ergonomische Eigenschaft, beispielsweise eine
intuitive Bedienung, die auch ohne Maus möglich sein sollte.
</para>

<para>
Verschiedene existierende Programme, die für medizinische Aufgaben
geeignet wären sind nicht wirklich frei im Sinne der <ulink url="http://www.debian.org/social_contract#guidelines">Debian
Richtlinien für Freie Software (DFSG)</ulink>. Programme, die nicht
kompatibel mit den DFSG sind, dürfen nicht in die Debian GNU/Linux
Distribution einbezogen werden.  Wahrscheinlich sind solche Lizenzen
nachteilig für die betroffene Software, denn sie profitiert nicht von
der weiten Verbreitung von Debian über die ganze Welt.
</para>

<para>
Mikrobiologische Programme werden oft an Universitäten von Studenten
oder Doktoranden entwickelt.  Wenn diese die Universität verlassen,
kann es vorkommen, daß die von ihnen entwickelte Software verwaist,
das heißt, nicht mehr aktiv gepflegt wird.  Falls die Lizenz der
Software restriktiv gehalten ist, kann es anderen verboten sein, daran
weiterzuarbeiten. Hält sich der Autor jedoch an die <ulink url="http://www.debian.org/social_contract#guidelines">DFSG</ulink>, so
kann dieses Problem vermieden werden.
</para>

<para>
Im Gesundheitswesen kommt oft auch nicht-Intel-basierte Hardware zum
Einsatz.  Debian unterstützt zur Zeit 11 verschiedene Hardware
Architekturen und neue Debian-Software-Pakete werden automatisch auf
allen Architekturen übersetzt.  Wenn bei diesem Übersetzungsprozess
Probleme auftreten, wird der verantwortliche Entwickler informiert.
Normalerweise kann dieser das Problem beheben und leitet die
notwendige Änderung an die Autoren der Software weiter.  Darüber
hinaus können Nutzer Probleme bei der Laufzeit an das <ulink url="http://www.debian.org/Bugs/">Debian Bug Tracking System</ulink>
weiterleiten.
</para>

<para>
Es gibt ältere Programme, die isoliert entwickelt wurden und eigene
Datenformate verwenden.  Es ist jedoch oft wichtig, Daten auch mit
anderen Programmen weiterzuverarbeiten.  Das gilt sowohl für den
zuverlässigen Austausch von Patientendaten als auch für die
mikrobiologische und klinische Forschung.
</para>

<para>
Oft gibt es mehrere Programme, die gleiche oder ähnliche
Aufgabenbereiche abdecken.  Weiter unten wird das am Beispiel von
Patientenverwaltungsprogrammen im Detail erörtert.  Normalerweise
beinhalten alle diese Programme sehr interessante Ansätze, haben aber
auch alle gewisse Nachteile.  Hier wäre eine Bündelung der Kräfte der
Programmierer sinnvoll.
</para>

<para>
Hin und wieder sind die für freie medizinische Software eingesetzten
Programmierwerkzeuge oder Backends für die beabsichtigte Endanwendung
nicht geeignet.  Beispielsweise werden manchmal Datenbank Server
benutzt, die keine Transaktionen beherrschen, um Patientendaten zu
speichern, was schlicht unakzeptabel ist.  Andere Programme benutzen
Web-Browser als Frontend, was einer wirklich schnellen Bedienung
(insbesondere auch ohne Maus) widerspricht.
</para>

<para>
Ein großes Problem ist, daß komplexe Softwarepakete für den Endnutzer
nur schwer zu installieren sind.  Dieses Problem ist jedoch leicht
durch die Verteilung per Debian-Paketen lösen - genau das, was bei der
Integration in Debian getan wird.
</para>
</section>

<section>
 <title>Beispiele für Praxisverwaltungsprogramme</title>

 <section>
  <title>GnuMed</title>

<para>
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  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-01.png" format="PNG"/>
    <caption>GnuMed</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

 Das Ziel von <ulink url="http://www.gnumed.org/">GnuMed</ulink> ist ein
 umfassendes und robustes Open Source Softwarepaket für die papierlose
 medizinische Praxis zu entwickeln.  Es wurde als professionelles
 Client-Server-System konzipiert.  GnuMed besteht aus verschiedenen
 Modulen, die es sehr flexibel und adaptierbar an viele Anwendungszwecke
 machen.  Diese Flexibilität ermöglicht die Nutzung für Ärzte in vielen Ländern
 mit unterschiedlichen Gesundheitssystemen.
</para>

<para>
 GnuMed verwendet <ulink url="http://www.postgresql.org">PostgreSQL</ulink> als Datenbank.
 PostgreSQL ist ein äußerst solider, professioneller Datenbankserver
 und damit eine geeignete Software für diese Art von Anwendung.
 Derzeit sind die modularen Nutzerschnittstellen in Python geschrieben
 doch prinzipiel sind auch Web-Frontends denkbar.
</para>

<para>
 Die Datensicherheit hat bei GnuMed höchste Priorität.  Der zusätzliche
 Service, der durch GNotary bereitgestellt wird, hilft Ärzten beim
 Nachweis der Integrität ihrer Daten.
</para>

<para>
 Leider ist GnuMed noch nicht reif für den produktiven Einsatz.
 Das Projekt ist äußerst vielversprechend und entwickelt sich sehr dynamisch
 in Richtung einer Beta-Version zum Testen.  Es gibt bereits inoffizielle
 Debian-Pakete.
</para>
</section>

 <section>
  <title>Torch (früher FreePM)</title>

<para> 
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    <imagedata fileref="paper-305-02.png" format="PNG"/>
    <caption>Torch</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

 <ulink url="http://www.openparadigms.com/">Torch</ulink>
 Torch (früher FreePM) ist ein durch Formulare gesteuertes System, das
 unter Benutzung einer flexiblen Open Source Software Ärzten eine
 einfach zu benutzende und leicht anpaßbare Lösung zur
 Patientendatenverwaltung bietet.  Das System besteht aus einer Reihe
 von Formularen, mit denen die Bestandteile der Patientendaten erstellt
 werden können.  Diese Formulare können durch den Arzt auf die
 Erfordernisse seiner Arbeitsumgebung zugeschnitten werden.

 Torch bietet über eine Webservices-Plattform professionelle
 Dienstleistung, so daß das gesamte System durch mehr als eine Firma
 betreut wird obwohl das gesamte System Open Source ist.

 Torch ist ein Open Source Anwendung für die ärztliche Büroverwaltung
 und medizinische Datenverarbeitung.  Es basiert auf dem
 Web-Applikationsserver <ulink url="http://www.zope.org">Zope</ulink>.
 Zope besitzt eine eigene transaktionsfähige objektorientierte
 Datenbank, die die Autoren einer relationalen Datenbank vorziehen.
 Torch ist das einzige bekannte Projekt, das keine SQL basierte
 relationale Datenbank benutzt.

 Torch ist nur über Web-Clients zu bedienen, was einer schnellen
 Bedienung ohne Maus widerspricht.
</para>

<para>
 Es existieren bereits arbeitende Implementationen von
 Torch.  Die Autoren würden eine Integration von Torch in Debian-Med
 begrüßen.
</para>
</section>

 <section>
  <title>Res Medicinae</title>

<para> 
<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-03.png" format="PNG"/>
    <caption>Res Medicinae</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

 <ulink url="http://resmedicinae.sourceforge.net/">Res
 Medicinae</ulink> soll eine umfassende Software Lösung für den Bereich der
 Medizin werden, welche intuitivie und einfache Bedienung mit den
 Vorteilen des <ulink url="http://www.cybop.net">CYBOP</ulink> Frameworks
 kombiniert. Es verwendet neueste Technologie und hält sich an
 international anerkannte Standards für medizinische Software, wodurch
 es offen für andere medizinische Systeme ist.  Es ist ein weiteres
 vielversprechendes Projekt für ein komplexes Praxismanagementsystem.
 Es hat ein modulares objektorientiertes Design und zeigt bereits
 einige interessante Funktionen.
</para>
<para>
 Res Medicinae ist der Versuch, überzogene Preise im Umfeld
 medizinischer Informationssysteme zu überwinden und Anwendern ein
 freies, stabiles, sicheres, plattform-unabhängiges, umfangreiches
 System zur Verfügung zu stellen.
</para>
<para>
 Res Medicinae ist und wird frei in jeder Beziehung sein. Seine
 Mitarbeiter kommunizieren über Mailing Listen und sind angespornt
 durch die Idee, ihr Wissen mit jenen Menschen auf der &quot;ärmeren Seite
 der Welt&quot; zu teilen.
</para>
<para>
 Hinsichtlich der Verteilung durch Debian kann es Probleme geben, da
 Res Medicinae auf Java basiert, denn Java Anwendungen verlassen sich
 oft auf Funktionen nicht-freier virtueller Java Maschinen.  Im
 besonderen scheint Res Medicinae das nicht-freie Swing Toolkit zu
 benutzen.
</para>

<para>
 Während das Projekt durchaus vielversprechend ist, ist es noch sehr
 weit von der praktischen Einsatzfähigkeit entfernt.
</para>
</section>

 <section>
  <title>Tk Family Practice</title>

<para> 
<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-04.png" format="PNG"/>
    <caption>Tk Family Practice</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

 <ulink url="http://sourceforge.net/projects/tkfp/">Tk
 Family Practice</ulink> Ein medizinisches Informationssystem für die
 allgemeinmedizinische Praxis zum Speichern von klinischen
 Patientendaten.  Es verwendet Tcl/Tk als Programmierumgebung.  Diese
 Technik ist zwar portabel jedoch nicht üblich in größeren
 Projekten, an denen viele Programmierer beteiligt sind.
</para>
<para>
 Ursprünglich wurde eine eigenenentwickelte XML Datenbank benutzt, 
 inzwischen zusätzlich eine komplette aber veraltete <ulink url="http://www.postgresql.org">PostgreSQL</ulink> &quot;eingebaut&quot;, was
 als sehr fragwürdig hinsichtlich der Wartung der Datenbank
 erscheint. Weiterhin wurde auch ein Web Frontend zusätzlich zum
 Tk-Interface hinzugefügt.
</para>
<para>
 Ein Problem dieses Systems ist die sehr unaufgeräumte
 Bedienoberfläche, die äußerst verwirrend auf den Nutzer wirkt und den
 oben genannten Kriterien für ergonomische Nutzung
 widerspricht. Darüber hinaus sind verschiedene Hürden vor den
 Download das Programms gesetzt: Die <ulink url="http://www.psnw.com/~alcald/#informatics">offizielle
 Website</ulink> enthält am Anfang eine Menge private Information.
 Eine Lizenz für die Software ist hier nicht zu finden und erst nach
 Ausfüllen eines Formulars gelangt man zur Download-Seite bei
 Sourceforge.  Das 75MByte große Download Archiv enthält sowohl
 Quellen als auch compilierte Binaries von mehr als zehn anderen
 freien Software-Projekten, kurz hinsichtlich Sicherheit, Wartung und
 Pflege ist dieses Projekt für den produktiven Einsatz nicht
 akzeptabel.  Wenn die Software in diesem Zustand ausgeliefert wird,
 scheint eine Bereitstellung für Debian nahezu unmöglich.

 Andererseits wird das System bereits produktiv genutzt, z.B. in der
 Praxis des Autors.
</para>
</section>

 <section>
  <title>OIO -- Open Infrastructure for Outcomes</title>

<para> 
<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-05.png" format="PNG"/>
    <caption>Open Infrastructure for Outcomes</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

 <ulink url="http://www.txoutcome.org/">OIO</ulink> ist eine
 verteilte und freie Infrastruktur, die die Sammlung, Beurteilung,
 Analysewerkzeuge, Datenverwaltung, Ausbildung, Qualitätssicherung und
 Berichterstellung. Die Freie Software Lösung soll helfen, die Kosten
 medizinischer Gutachten zu reduzieren.
</para>
<para>
 Es wurde eine alternative Methode gefunden Patienten- und
 Forschungsdaten zu verwalten.  Es werden keine Datenformat explizit
 definiert. Neben vorbestehenden Formaten kann sich jeder Anwender
 eigene neu definieren und gegebenenfalls angeben, wie diese mit den
 bestehenden Formaten verknüpft bzw. in diese überführbar sind.
</para>
<para>
 OIO benutzt <ulink url="http://www.postgresql.org">PostgreSQL</ulink>
 als Datenbank Server, was für diesen Zweck eine geeignete Wahl
 darstellt.  Auf die Datenbank wird mit Hilfe des Web Application
 Servers <ulink url="http://www.zope.org">Zope</ulink> zugegriffen
 und eine Web-Oberfläche erzeugt.  Der Zugriff per Web-Client ist wie
 oben beschrieben eine interessante Funktion, widerspricht aber einem
 schnellen Zugriff ohne Maus.
</para>

</section>

<section>
 <title>Weitere Praxismanagementsysteme</title>

 <para>
<variablelist>
<varlistentry>
<term><ulink url="http://freemedsoftware.com/">FreeMed</ulink></term>
<listitem>
  FreeMed ist ein in PHP entwickeltes Praxisverwaltungssystem mit
  einem <ulink url="http://www.mysql.com/">MySQL</ulink> Datenbank Backend.
  MySQL beherrscht -- zumindest in der Version, die in FreeMed
  Verwendung findet -- keine Transaktionen und ist daher für die
  sichere Patientenverwaltung ungeeignet.  Die Entwicklung von FreeMed
  war längere Zeit eingeschlafen, doch wurde das Projekt kürzlich
  wieder aktiv. 

  Es gibt nur ein Web-Frontend mit den oben diskutierten Nachteilen.
  Andererseits wäre es ein geeignetes Frontend, um beispielsweise als
  zusätzliches Interface zur GnuMed Datenbank zu dienen, deren
  flexibles und solides Design zu diesem Zweck geeignet erscheint.
</listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term><ulink url="http://www.sqlclinic.net">SQL Clinic</ulink></term>
<listitem>
  SQL Clinic ist eine vollständige Anwendung zur Verwaltung klinischer und
  administrativer Daten. Obwohl es auf die Bedürfnisse psychiatrischer
  Kliniken zugeschnitten ist, ist die Software durchaus in der Lage
  ein ganzes Krankenhaus oder Privatärzte, die in der
  Verhaltensmedizin tätig sind. Kostenlose technische Hilfe bietet
  eine Mailing-Liste. Es können auch Dienstleistungsverträge mit dem Saint
  Vincent Catholic Medical Centers of New York geschlossen werden.

  Es benutzt eine <ulink url="http://www.postgresql.org">PostgreSQL</ulink> Datenbank auf die
  ein mit Perl erstelltes Web-Interface zugreift.  Es ist bereits im
  produktiven Einsatz für diesen speziellen Zweck, doch wie leicht
  bzw. sinnvoll eine Verallgemeinerung ist, wäre zu prüfen.
</listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>... und andere ...</term>
<listitem>
  Es könnte noch eine Reihe weiterer Programme zum selben Zweck geben.
</listitem>
</varlistentry>
</variablelist>

 </para>
</section>

<section>
 <title>Wozu braucht die Welt diese Vielzahl freier Programme nur um Patientendaten zu verwalten?</title>

<para>
Es mutet eigenartig an, daß so viele freie Programme zur Verwaltung
von Patientendaten mit mehr oder weniger den selben Zielen
existieren. Während es durchaus sinnvoll erscheint, zwischen der
Verwaltung einer einzelnen Praxis eines Allgemeinmediziners und der
Verwaltung einer Klinik zu unterscheiden, so scheint es eher
fragwürdig, für beide Zwecke jeweils mehrere Freie Softwarelösungen zu
erstellen, die exakt dasselbe Ziel verfolgen.
</para>

<para>
Es gibt jedoch auch Gründe für diese Vielfalt:
</para>

<para>
Zunächst sind liegen hier historische Tatsachen vor.  Jemand stellte
fest, daß sein proprietäres Programm nicht seinen Ansprüchen genügte
und startete ein Freies Softwareprojekt, um seine speziellen Probleme
zu lösen.  Dabei wurden die den Fähigkeiten und Kenntnissen
entsprechenden Werkzeuge benutzt.  Leider gab es nahezu keine
Kommunikation zwischen den einzelnen Entwicklern.
</para>

<para>
Weiterhin fand die Startphase der einzelnen Projekte mehr oder weniger
im Stillen statt.  So erfuhren die Entwickler nichts voneinander.
</para>

<para>
In der Folge wurden unterschiedliche technologische Entscheidungen
getroffen und die Projekte weisen sehr verschiedene Designs auf, so
daß es momentan relativ kompliziert ist, die unterschiedlichen Projekte
in ihrem derzeitigen Zustand zu vereinigen.
</para>
 </section>
</section>

<section>
 <title>Was ist Debian-Med?</title>
 <section>
  <title>Was ist Debian?</title>

<para>
<itemizedlist>
 <listitem>Linux ist nur der Kern des Betriebssystems.</listitem>
 <listitem>Benötigt werden darüber hinaus eine große Zahl von Anwendungen.</listitem>
 <listitem>Solche Sammlungen von Software um den Linux-Kern wird als Distribution bezeichnet.</listitem>
 <listitem>Firmen, die solche Distributionen zusammenstellen werden Distributor genannt.</listitem>
 <listitem>Sie erwirtschaften Geld durch den Verkauf dieser
           Distribution, durch Nutzerunterstützung und -schulung.
 </listitem>
 <listitem>Beispiele für solche Distributoren sind Mandrake, RedHat, Suse und andere.</listitem>
 <listitem><ulink url="http://www.debian.org">Debian</ulink>ist einer dieser Distributoren.</listitem>
</itemizedlist>

Oder besser, dieses ist eine häufig anzutreffende Ansicht von
Menschen, die Debian nicht wirklich kennen.  Doch in Wirklichkeit ist
Debian eine andere Art von Distribution ...
</para>

 </section>

 <section>
  <title>Was ist Debian? (nächster Versuch)</title>

<para>
Das <ulink url="http://www.debian.org">Debian Project</ulink> ist
ist eine Gemeinschaft von Individuen die in Gemeinschaftsarbeit ein
freies Betriebssystem entwickeln. Dieses Betriebssystem, das wir
entwickelt haben, wird <ulink url="http://www.debian.org">Debian GNU/Linux</ulink> oder einfach nur Debian genannt.

Weiterhin wird daran gearbeitet, Debian mit anderen Kernen
anzubieten, hauptsächlich für <ulink url="http://www.debian.org/ports/hurd/">Hurd</ulink>.
Andere mögliche Kerne sind <ulink url="http://www.debian.org/ports/netbsd/">NetBSD</ulink> und <ulink url="http://www.debian.org/ports/freebsd/">FreeBSD</ulink>, ja
sogar auch Portierungen für MS Windows werden
<ulink url="http://lists.debian.org/debian-win32/">diskutiert</ulink>.
</para>

<para>
Diese Entwickler genannten selbständigen Freiwilligen sind durch
das sogenannte Netzwerk des Vertrauens verbunden.  Dieses wird durch
gegenseitiges Signieren der GPG-keys aufgebaut.

<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-06.png" format="PNG"/>
    <caption>Netzwerk des Vertrauens</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

</para>
 </section>

 <section>
  <title>Unterschiede zu anderen Distributionen</title>

<para>
<itemizedlist>
 <listitem>Debian ist keine Firma sondern eine Organisation.</listitem>
 <listitem>Debian verkauft nichts.</listitem>
 <listitem>Debian Mitglieder (sogenannte Entwickler) sind Freiwillige.</listitem>
 <listitem>Die Entwickler arbeiten an dem gemeinsamen Ziel: Das bestmögliche Betriebssystem herzustellen.</listitem>
 <listitem>Debian ist die größte Sammlung sofort installierbarer Freier Software im Internet</listitem>
 <listitem>Zwei Möglichkeiten Debian GNU/Linux zu beziehen:</listitem>
 <orderedlist>
  <listitem>Vertrieb durch <emphasis>andere</emphasis> Distributoren auf CD</listitem>
  <listitem>Kostenlose Installation direkt aus dem Web</listitem>
  </orderedlist>
 <listitem>Der letzte Weg ist der übliche und es gibt äußerst praktische Programme, die das sehr flexibel unterstützen.</listitem>
</itemizedlist>
</para>
 </section>

 <section>
  <title>Debian-Med?</title>

<para>
Debian-Med ist ein sogenanntes <ulink url="http://people.debian.org/~tille/debian-med/talks/200303_chem_int/index_de.html">Debian Internes Project</ulink>.  Diese internen Projekte widmen sich
den Anforderungen von speziellen Nutzergruppen.  Beim Debian-Med
Projekt sind diese Nutzer Beschäftigte im Gesundheitswesen.
</para>

<para>
Zu beachten ist, daß Debian-Med vollständig in Debian integriert ist.
Es ist keine gesonderte Distribution.  Wenn man eine Kopie der Debian
GNU/Linux Distribution besitzt, so hat man gleichzeitig auch das
gesamte Debian-Med.
</para>

<para>
Debian-Med kümmert sich um die Medizin betreffende Programmpakete, die
bereits in Debian integriert sind.  Beispielsweise heißt das zu
prüfen, ob die Pakete sauber in das Menü-System integriert sind und ob
wesentliche Dokumentation sowie eventuell Übersetzungen der
wichtiger Teile verfügbar sind.
</para>

<para>
Weiterhin erstellt Debian-Med Pakete medizinischer Software, die im
Moment noch in Debian verfügbar ist und stellt sicher, daß diese
Pakete optimal mit den anderen Komponenten von Debian
zusammenarbeiten.
</para>

<para>
Die Nutzer im Bereich der Medizin müssen sich vor allem um ihre
eigentliche Arbeit kümmern.  Der Computer soll bei dieser Arbeit ein
Hilfsmittel sein, ohne die Aufmerksamkeit des Nutzers von der
eigentlichen Arbeit abzulenken.  Darum dürfen die Nutzer nicht mit
Menüeinträgen, die sie nicht benötigen, überflutet werden, sollen bei
der täglichen Arbeit von Konfigurationsaufgaben befreit werden, die
auch vom Distributor schon vorgenommen werden können etc.  In diesem
Sinne will Debian-Med eine allgemeine Infrastruktur für Nutzer aus dem
Bereich der Medizin zur Verfügung stellen.
</para>
</section>

 <section>
  <title>Geschichte von Debian-Med</title>

 <para>
 Das <ulink url="http://lsm.abul.org/">Libre Software Meeting in
 Bordeaux</ulink> ist eine hervorragende Gelegenheit für Entwickler Freier
 Software aus aller Welt, sich über verschiedene Themen auszutauschen.
 Es gibt eine Vielzahl von Themen zu Nutzer-orientierten
 Fragestellungen. Im Jahr 2001 stellten die Entwickler im <ulink url="http://lsm.abul.org/program/topic15/topic15.php3">Themenbereich Freie Software in der Medizin</ulink> fest, daß die
 vorhandene Freie medizinische Software für den Nutzer nur äußerst
 schwer zu installieren ist.
</para>

<para>
 Das führte dazu, daß einige der Anwesenden begannen, die
 Installationsanleitung von Software zu übersetzen, um das Problem zu
 lösen.  Doch dieses ist keine wirkliche Lösung, denn es ist nahezu
 unmöglich, Übersetzungen für verschiedene Sprachen immer auf dem
 aktuellen Stand zu halten.
</para>

<para>
 Während des gemütlichen Treffens am Abend tranken die an der
 Konferenz teilnehmenden Debian-Entwickler zunächst etwas Bordeaux
 ...

<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-07.jpg" format="JPG"/>
    <caption>Bordeaux trinkende Debian Entwickler</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

Plötzlich sprach jemand die alarmierenden Worte:
</para>

<para>
 <emphasis>Da ist ein Laptop offen!</emphasis>
</para>

<para>
So begann die Diskussion über das Problem der medizinischen Software
und ein Vortrag darüber, wie das Problem mit Hilfe der Technologie von
Debian gelöst werden könnte, wurde für den nächsten Tag vorbereitet.

<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-08.jpg" format="JPG"/>
    <caption>Vorbereitung eines Vortrags</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

So wurde die Idee von Debian-Med geboren.
</para>

<para>
Der offizielle Start des Debian-Med Projekts war im Januar 2002.
  </para>
 </section>
</section>

<section>
 <title>Ziele im Detail</title>

 <section>
  <title>Integration</title>

<para>
Weiter oben wurden verschiedene Beispiele für Programme vorgestellt,
die mehr oder weniger den gleichen Zweck erfüllen wollen. Ein weiteres
Beispiel sind zwei Systeme zum Verwalten einer Zahnarztpraxis:

<variablelist>
<varlistentry>
<term><ulink url="http://packages.debian.org/unstable/web/odontolinux.html">OdontoLinux</ulink></term>
<listitem>
  ist ein in PHP4 geschriebenes Programm zur
  Verwaltung von Zahnarztpraxen.  Als Datenbank dient <ulink url="http://www.postgresql.org">PostgreSQL</ulink>.  Wie bei den
  anderen Web-orientierten Systemen gilt auch hier:  Ein Web-Client
  erfüllt nicht die Anforderungen an schnelle und einfache Bedienung.
  Andererseits ist ein zusätzlicher Web-Client in jedem Fall eine
  Bereicherung für einen nativen Client.  Jedenfalls ist OdontoLinux
  das erste in Debian integrierte Praxisverwaltungsprogramm, da der
  Entwickler des Programms selbst Debian-Entwickler ist.
</listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term><ulink url="http://linudent.sourceforge.net/">LinuDent</ulink></term>
<listitem>
 ist ein weiteres Zahnarztpraxisverwaltungsprogramm.  Es ist in Tcl/Tk
 geschrieben und hat große Teile des Codes von Tk Family Practice
 (siehe oben) übernommen.  Während es bei Freier Software durch aus
 üblich und gewollt ist, Code auszutauschen, scheint es in diesem Fall
 jedoch recht mühsam zu sein, da TkFamily Practice kein modulares
 Design aufweist, das dieses Vorgehen unterstützt.  Darüber hinaus
 scheint die Entwicklung von LinuDent im Moment eingeschlafen zu sein.
</listitem>
</varlistentry>
</variablelist>

Ein Ziel von Debian-Med ist es, wenn möglich mit den Autoren Kontakt
aufzunehmen und mit ihnen zu diskutieren, ob es eine Vereinigung ihrer
Projekte sinnvoll und möglich ist.  Damit könnte ein System geschaffen
werden, daß alle Bedürfnisse besser erfüllt, anstatt mit viel Aufwand
mehrere konkurrierende Systeme zu entwickeln.

Dabei kann auch Konkurrenz im Open Source Bereich durchaus fruchtbar
sein und große Projekte wie Gnome und KDE profitieren durchaus durch
gegenseitige Befruchtung.  Der Unterschied zwischen Speziallösungen
wie Praxisverwaltungssoftware und großen Desktop-Projekten ist die um
Größenordnungen größere Entwickler und Nutzerbasis, die die
Entwicklung auf eine qualitativ andere Stufe stellt.  Daher gelten für
Speziallösungen hier nicht die gleichen Regeln.

In diesem Sinne könnte es sogar durchaus sinnvoll sein, eine
Zahnarztsoftware auf der Basis von GnuMed zu entwickeln.  Das flexible
und modulare Design von GnuMed legt dieses Vorgehen im Prinzip nahe
und dürfte über kurz oder lang die sinnvollste Lösung sein.
</para>

<para>
Ein Teilerfolg für Debian-Med ist, daß die Autoren beider Projekte
inzwischen in Kontakt miteinander stehen.
</para>

<para>
An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Debian-Med
nicht die Absicht hat, die entstandene Vielfalt zu unterdrücken.  Es
ist jedoch so, daß die Zeit der Debian Entwickler begrenzt ist und das
Hauptaugenmerk zunächst auf denjenigen DFSG-kompatiblen Projekten
liegt, die den eingangs genannten Kriterien am ehesten nahe kommen.
Das ist der Grund, warum versucht wird, die Entwickler freier Software
auf die Möglichkeit der Kooperation hinzuweisen und sich auf die
Aufgaben zu konzentrieren, von der alle Beteiligten profitieren
würden.  Darüber hinaus werden natürlich jederzeit diejenigen
Entwickler unterstützt, die selbst Debian Pakete ihrer medizinischen
Software erstellen, wenn ein offizieller Debian-Entwickler keine Zeit
für diese Arbeit findet.  Wie das genau funktioniert ist auf den
<ulink url="http://www.debian.org/devel/join/newmaint">Debian
Webseiten</ulink> unter dem Begriff &quot;Sponsor&quot; erklärt.
  </para>
 </section> 

 <section>
  <title>Debian Qualitäts-Standards sichern</title>

<para>
Es gibt bereits eine Menge Programme aus dem Bereich Mikrobiologie,
die in Debian zur Verfügung stehen.  Diese Programme dienen
beispielsweise der Analyse von DNA- und Proteinsequenzen oder der
Rekonstruktion phylogenetischer Bäume.  Die Metapakete <ulink url="http://packages.debian.org/med-bio">med-bio</ulink> und <ulink url="http://packages.debian.org/med-bio-contrib">med-bio-contrib</ulink>
hängen von diesen Paketen mit mikrobiologischer Software ab.
</para>

<para>
Bei genauerer Betrachtung der gepackten Programme wird offensichtlich,
daß sich diese Programme in unterschiedlichen Entwicklungsstadien
befinden.  In manchen Fällen ist die Entwicklung einfach eingefroren,
manche sind schlicht schlecht programmiert, so daß das Compilieren auf
anderen Architekturen Probleme bereitet und andere haben keine einfach
zu nutzende grafische Benutzeroberfläche.
</para>

<para>
Der Grund für eingeschlafene Entwicklung ist oft, daß viele dieser
Programme von graduierten Studenten an Universitäten entwickelt
werden.  Wenn diese die Universität verlassen, so kümmert sich oft
niemand um die Weiterentwicklung ihrer Arbeit.  Hinzu kommt, daß diese
Programme oft durch unübliche Lizenzen eine weitere Entwicklung
verhindern.  Manchmal gibt die Universität die Lizenz vor oder die
Programmierer kümmern sich schlicht nicht um eine Lizenz, weil sie sie
nicht für wichtig halten.  Leider ist eine Software ohne Lizenz nach
der DFSG nicht-frei und wenn der Programmierer nicht mehr erreichbar
ist, kann eine Lizenz auch nachträglich nicht mehr erbeten werden.
</para>

<para>
Ein Beispiel für eine DFSG-inkompatible Lizenz ist zum Beispiel die
des Programms <ulink url="http://evolution.genetics.washington.edu/phylip.html">phylip</ulink>:

<tscreen><verb>
version 3.56c. (c) Copyright 1993 by Joseph Felsenstein.
Written by Joseph Felsenstein, Akiko Fuseki, Sean Lamont, and Andrew Keeffe.
Permission is granted to copy and use this program provided no fee is
charged for it and provided that this copyright notice is not removed.
</verb></tscreen>

Die Motivation des Autors ist durchaus verständlich, doch für Debian
ist es unmöglich, dieses Programm auf eine offizielle Distributions-CD
aufzunehmen.  Normalerweise verkaufen Händler die gesamte Debian
GNU/Linux Distribution für einen Betrag, der nur geringfügig über den
Produktionskosten liegt.  In diesem Fall ist es einfach unmöglich, den
oben genannten Lizenzbedingungen zu genügen.  Diese Tatsache ist auch
nachteilig für die betroffene Software, da sie so nicht auf einfache
Weise als Teil von Debian vertrieben werden kann und somit nicht den
Verbreitungsgrad und die Nutzerbasis finden kann, die für die
Entwicklung freier Software wesentlich ist.
</para>

<para>
Neben den problematischen Lizenzen gibt es einige andere Probleme mit
der Software auf dem Gebiet der Biologie.

<itemizedlist>
 <listitem>Das es einige Programme mit inkompatiblen Datenformaten gibt,
       sollen möglichst Werkzeuge zum Konvertieren der Formate
       bereitgestellt werden.
 </listitem>
 <listitem>Debian GNU/Linux steht für 11 Hardware-Architekturen zur
       Verfügung.  Spezielle Server bauen automatisch alle notwendigen
       Pakete.  Wenn dieser automatische Übersetzungs-Prozeß
       fehlschlägt muß sich der Betreuer des Pakets um das Problem
       kümmern und den Autoren der Software möglichst eine
       Berichtigung des Fehlers schicken.  Debian hat auch ein
       Fehlerverfolgungssystem (Bug Tracking System, kurz BTS), das es
       den Nutzern erlaubt, Fehler zu berichten, die der
       Paket-Betreuer nicht erkennen kann (weil er z.B. nicht über die
       betreffende Hardware verfügt).
 </listitem>
 <listitem>Es gibt viele Programme mit unterschiedlicher
       Nutzerschnittstelle.  Debian verlangt zumindest ein Manual, die
       ein Minimum an Information für den Nutzer bietet.  Darüber
       hinaus bietet Debian-Med einen Menüeintrag.  Falls ein Programm
       keine interaktive Nutzerschnittstelle sondern nur
       per Kommandozeilenaufruf bedient wird, so präsentiert der
       Menüeintrag relevante Informationen, wie das Programm zu
       bedienen ist.
 </listitem>
</itemizedlist>
</para>
 </section>

 <section>
  <title>Unterstützung von Entwicklern</title>

<para>
Es gibt einige Anwendungsbereiche im Gesundheitswesens, in denen Freie
Software Lösungen vollständig fehlen.  Das sind zum Beispiel:

<variablelist>
<varlistentry>
<term>Medikamentendatenbank</term>
 <listitem>
    Kürzlich wurde ein freies Projekt zur Datensammlung begonnen.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Pharmazie</term>
 <listitem>
    Es gab Anfragen zu einer Pharmazie-Software, die bisher negativ
    beantwortet werden mußten.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Physiotherapie</term>
 <listitem>
    Hier ist die Situation ähnlich wie bei Pharmazie-Software.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Veterinärmedizinische Praxis</term>
 <listitem>
    Es gab ein freies Programm für die veterinärmedizinische Praxis,
    daß jetzt jedoch als proprietäre Software weiterentwickelt wird.
    Die letzte GPL-Version ist archiviert, wird aber offensichtlich
    nicht weiter gepflegt.
 </listitem>
</varlistentry>
</variablelist>


Debian-Med entwickelt selbst keine Software doch Entwickler, die
versuchen die oben genannten offenen Probleme anzugehen, werden nach
besten Kräften unterstützt.
</para>
</section>

<section>
 <title>Aufzeigen der Vorteile Freier Software für Programmierer</title>

<para>
In manchen Bereichen des Gesundheitswesens wie der medizinischen
Bildverarbeitung oder der Steuerung medizinischer Geräte treten
spezielle Probleme mit proprietärer Software auf, z.B. patentierte
Algorithmen und medizinische Geräte ohne Dokumentation für
Programmierer. 
</para>

<para>
Verschiedene proprietäre Bildformate von medizinischen Geräten
verhindern die Entwicklung von Alternativen freien Programmen.
Lizenz- und Patentprobleme bilden eine weitere Hürde.
</para>

<para>
Es gibt Fälle, in denen Anwender versuchten selbst freie Programme zu
entwickeln, um ihre medizinischen Geräte zu Steuern, weil sie der
mitgelieferten proprietären Software die mit dem Gerät geliefert wurde
nicht vertrauten.  Auf diese Weise entstand ein freier Ersatz für die
proprietären Software, die z.B. Nachteile bezüglich Sicherheit oder
Bedienung aufwies.
</para>

<para>
Debian-Med versucht diese Bemühungen zu unterstützen und auch den
Softwarefirmen auseinanderzusetzen, daß Freie Software hier durchaus
vorteilhaft sein kann.
  </para>
 </section>

 <section>
  <title>Forderung nach soliden Installationsmechanismen</title>

 <para>
Hin und wieder ist das Erstellen von Debian-Paketen von medizinischer
Software eine komplexe Aufgabe.  Es existieren einige äußerst mächtige
Anwendungen wie beispielsweise <ulink url="http://www.hardhats.org/">DHCP/VISTA</ulink>.  Dieses Programmpaket benötigt eine derart
komplizierte Installationsprozedur, daß nur Spezialisten in der Lage
sind, eine Produktionssystem aufzusetzen.  Im allgemeinen wird auch
Debian-Med es nicht erreichen, daß die Installation kinderleicht
wird.  Jedoch wäre eine Vereinfachung der Installation auch für die
Dienstleister, die den Service für solche Systeme verkaufen eine
willkommene Erleichterung, die ihnen Zeit sparen könnte.
</para>

<para>
Die Situation für Telepathologie-Systeme ist ähnlich
<ulink url="http://ipath.sourceforge.net/">ipath</ulink>.
</para>

<para>
Derzeit sind Entwickler bestrebt, Definitionen für medizinische
Datensätze zu erstellen, um einen globalen Datenaustausch zu
ermöglichen.  Es gibt bereits erste Referenzimplementierungen.
Beispiele dafür sind <ulink url="http://www.gehr.org/">GEHR
(OpenEHR)</ulink> und das Datenformat von <ulink url="http://www.txoutcome.org/">OIO</ulink>.  Debian-Med ist bestrebt
Referenzimplementationen als Pakete zur Verfügung zu stellen, um einen
zuverlässigen Datenaustausch zu ermöglichen.
 </para>
 </section>

 <section>
  <title>Dokumentationen und Übersetzungen</title>

  <para>
Gute Dokumentation ist eine Art &quot;traditionelle&quot; Schwäche Freier
Software.  Der Grund für diese Tatsache ist, daß die Programmierer,
die für die Erstellung der Freien Software ihre Freizeit opfern, eine
geringe Motivation zum schreiben guter Dokumentation haben, da sie
mehr an der eigentlichen Entwicklung interessiert sind.  Wirklich gute
Dokumentation stellt auch mehr Ansprüche an die Fähigkeit, gute Texte
zu schreiben als guten Code zu schreiben.  Hier tut sich eine gute
Möglichkeit für engagierte Anwender auf, einen Beitrag für freie
medizinische Software zu leisten, ohne über hohe technische
Fähigkeiten zu verfügen.
</para>

<para>
Beispiele für Dokumentationen zu Freier Software für die Medizin, die
bereits für Debian gepackt ist, sind:

<variablelist>
<varlistentry>
<term><ulink url="http://www.tldp.org/HOWTO/Medicine-HOWTO/">The Medicine HOWTO</ulink></term>
 <listitem>
  ist Teil des <ulink url="http://www.tldp.org/">Linux
  Documentation Project (LDP)</ulink>. Es beschreibt die existierende freie
  medizinische Software und bietet einen guten Überblick über dieses
  Thema.  Sehr wünschenswert wären Übersetzungen dieses Dokuments.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term><ulink url="http://resmedicinae.sourceforge.net/model/analysis/">Resmedicinae Analysis Document</ulink></term>
 <listitem>
 ist eine Analyse existierender Programme, die für das
 Gesundheitswesen nützlich sein könnten.  Der interessanteste Teil
 dieses Dokumentes ist jedoch die detaillierte Spezifikation von
 Anforderungen, die an Praxisverwaltungssoftware zu stellen sind.
 Damit wird dieses Dokument zu einer wertvollen Ressource für alle
 Programmierer solcher Software.

 Leider existiert nur eine rudimentäre Englische Übersetzung.  Es
 sollte unbedingt vollständig ins Englische übersetzt werden.

 Weiterhin werden ähnliche Dokumente für andere Bereiche des
 Gesundheitswesens benötigt.
 </listitem>
</varlistentry>
</variablelist>
   </para>
  </section>

  <section>
   <title>Schema</title>

<para>
<inlinemediaobject>
  <imageobject>
    <imagedata fileref="paper-305-09.jpg" format="PNG"/>
    <caption>Debian-Med</caption>
  </imageobject>
</inlinemediaobject>

 Dieses Schema faßt die wesentlichen Elemente des Debian-Med Projektes
 zusammen: Das Erstellen von Paketen vorhandener Freier Software aus
 allen Bereichen der Medizin mit dem Anspruch einer optimalen
 Integration in Debian unter Berücksichtigung der oben genannten
 Ziele.  Das soll alles vollständig innerhalb der <ulink url="http://www.debian.org">Debian GNU/Linux</ulink> Distribution
 geschehen.
  </para>

  </section>
</section>

<section>
 <title>Warum Debian als Integrationsplattform?</title>

<para>
 <orderedlist>
  <listitem>Die <ulink url="http://www.debian.org">Debian GNU/Linux</ulink> Distribution
        legt das Hauptaugenmerk auf Sicherheit und Stabilität, was
        eine selbstverständliche Voraussetzung für medizinische
        Aufgaben ist.
  </listitem>
  <listitem>Die mächtigen Paketverwaltungswerkzeuge erlauben ausgeklügelte
        Kombinationen aus &quot;hängt ab von&quot; -- &quot;widerspricht&quot;
        -- &quot;ersetzt&quot; Beziehungen, die es ermöglichen, daß alle
        Komponenten fehlerfrei Zusammenarbeiten.
  </listitem>
  <listitem>Debian hat eine strenge Qualitätskontrolle über alle Pakete.  Ein
        Kernpunkt dieser Qualitätskontrolle ist das <ulink url="http://bugs.debian.org">Bug Tracking System</ulink>, welches
        jedem zur Verfügung steht, um neue Fehler zu berichten oder
        sich über bekannte Fehler zu informieren.
  </listitem>
  <listitem>Debian ist sehr sorgfältig getestet.  Jedes Paket hat eine
        Testphase zu durchlaufen, die sogenannte <emphasis>unstable</emphasis>
        Distribution.  Sollte ein Paket während dieser Phase keine
        wesentlichen Fehler zeigen, geht es über in die <emphasis>testing</emphasis>
        Distribution.  Diese Distribution ist der Kandidat für die
        zukünftige <emphasis>stable</emphasis> Distribution, die erst dann freigegeben
        wird, wenn alle Fehler, die als kritisch eingeschätzt werden,
        behoben sind.  Dieser sorgfältige Testprozeß ist der Grund,
        warum Debian eine deutlich längere Zeit von einer stabilen Version
        zur nächsten benötigt, als andere Distributionen.
        Hinsichtlich der Stabilität ist jedoch genau das ein Vorteil.
  </listitem>
  <listitem>Jedes Paket hat strengen Regeln, der sogenannten &quot;Policy&quot; zu
        genügen.  Der Vorteil dieses Regelwerks ist, daß damit
        garantiert wird, daß die verschiedenen Pakete sauber zusammenarbeiten.
  </listitem>
  <listitem>Unterstützung von <ulink url="http://www.debian.org/ports/">11
Hardware Architekturen</ulink>
(Automatische Übersetzer für: 
<ulink url="http://www.debian.org/ports/alpha/">alpha</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/arm/">arm</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/hppa/">hppa</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/i386/">i386</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/ia64/">ia64</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/m68k/">m68k</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/mips/">mips</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/mips/">mipsel</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/powerpc/">powerpc</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/s390/">s390</ulink>,
<ulink url="http://www.debian.org/ports/sparc/">sparc</ulink>)
  </listitem>
   <listitem>Debian wird von etwa 1000 Freiwilligen entwickelt.  Das
         heißt, daß jeder Debian-Entwickler frei entscheiden kann,
         welche Programme er betreut.  Da die Entwickler
         hauptberuflich oft mit sehr unterschiedlichen Dingen
         beschäftigt sind, zeigen sie auch an unterschiedlichen
         Programmen Interesse, die sie für ihre tägliche Arbeit
         benötigen.  Das ist ein wesentlicher Grund, warum Debian so
         viele verschiedene Spezialgebiete mit Software abdecken kann
         -- Debian-Entwickler wollen einfach ihre eigenen
         speziellen Probleme lösen.  Diese Breite an
         Anwendungsgebieten ist ein Unterschied zu kommerziellen
         Linux-Distributionen, die aus wirtschaftlichen Gründen nur
         Hauptanwendungsgebiete abdecken können.
  </listitem>
   <listitem>Darüber hinaus brauchen sich Debian-Entwickler nicht um die
         Meinung eines Vorgesetzten zu kümmern.  Jeder von ihnen hat
         die gleiche Möglichkeit auf die Entwicklung einfluß zu nehmen
         -- er muß es einfach nur <emphasis>in Angriff nehmen</emphasis> wenn er
         die Realisierung einer bestimmten Eigenschaft wünscht.
  </listitem>
</orderedlist>
</para>
</section>

<section>
 <title>Wie funktioniert Debian-Med?</title>

 <section>
  <title>Meta-Pakete</title>
  <para>
   Meta-Pakete sind Debian-Pakete, die praktisch nichts weiter
   enthalten als Abhängigkeiten von anderen Debian-Paketen.  Auf diese
   Weise erfordert die Installation eines Meta-Pakets, das von einer
   Sammlung von medizinischer Software für ein konkretes
   Aufgabengebiet abhängt, daß all diese Software auf dem Zielcomputer
   installiert ist.  Diese Abhängigkeiten werden durch das
   Debian-Paketsystem aufgelöst und damit zieht die Installation eines
   Meta-Pakets die Installation aller Abhängigkeiten nach sich.
</para>


<para>
   Für den Anwender heißt das, daß sich eine Recherche nach
   verfügbarer Software für sein Spezialgebiet erübrigt.  Er muß
   lediglich das entsprechende Meta-Paket installieren und alles
   übrige wird vom Paketverwaltungssystem erledigt.  Auf diese Weise
   ist der Anwender nicht gezwungen, die vollständige Paketliste (von
   mehr als 10000 Paketen) nach den Anwendungen zu durchsuchen, die er
   für seine tägliche Arbeit wirklich benötigt.  Die gesamte
   Paketliste wäre ansonsten für den normalen Nutzer bestenfalls
   abschreckend.
</para>

<para>
   Die einfache Technik, alle Debian-Pakete, die zu einem speziellen
   Aufgabenbereich gehören, in einem Schritt zu installieren,
   ermöglicht einen einfachen Vergleich zwischen Programmen, mit denen
   mehr oder weniger die selbe Aufgabe gelöst werden kann.  Das
   erlaubt dem Anwender leicht herauszufinden, welches Programm am
   besten für ihn geeignet ist.
</para>

<para>
   Meta-Pakete haben einen weiteren Vorteil: Sie sichern das System
   gegen versehentliches Löschen von Paketen, die für eine bestimmte
   Aufgabe notwendig sind.
</para>

<para>
   Eine weitere Möglichkeit besteht in der Festlegung von Konflikten
   zu inkompatiblen Paketen.  So erscheint es sinnvoll, nur genau ein
   Praxismanagementsystem in einer Praxis zu verwenden, um nicht die
   Patientendatenbanken zu verwechseln und so Daten zu verlieren.
   Folglich ist zu sichern, daß nur ein solches System installiert
   ist.
</para>

<para>
   Meta-Pakete sind also eine nützliche Technik für eine einfache
   Installation eines zuverlässigen spezialisierten System bei
   minimalem Aufwand für die Administration.  Die Technik der
   Meta-Pakete und wie sie optimal genutzt werden ist detailliert in
   einem <ulink url="http://people.debian.org/~tille/debian-med/talks/">Vortrag
   über Debian Interne Projekte</ulink> von <ulink url="mailto:tille@debian.org">Andreas Tille</ulink> beschrieben.
  </para>
 </section>

 <section>
  <title>Angepaßte Konfiguration innerhalb von Meta-Paketen</title>
  <para>

   Meta-Pakete können speziell angepaßte Konfigurationen für bestimmte
   Pakete enthalten, um diese für ein optimales Arbeiten für den
   beabsichtigten Zweck einzurichten.  Auf diese Weise ist es möglich
   für spezielle Bedürfnisse von Debian-Med Nutzern Sorge zu tragen.
  </para>
 </section>

 <section>
  <title>Dokumentations-Pakete</title>
  <para>
   Es wurde bereits erläutert, daß Dokumentation ein wichtiges Ziel
   von Debian-Med ist.  Daher ist das Erstellen von Paketen, die nur
   Dokumentation enthalten, sowie das schreiben von Dokumentation ein
   wichtiger Bestandteil des Debian-Med Projekts.
</para>

<para>
   Hinsichtlich der Übersetzung von Dokumenten könnte es sinnvoll
   sein, die Technologie des <ulink url="http://ddtp.debian.org">Debian Description Translation Projekts</ulink> einzusetzen.
  </para>
 </section>

 <section>
  <title>Rolle: Debian-Med Nutzer</title>
  <para>
   In der Regel sind deutlich mehr Anwendungen auf einem Computer
   verfügbar, als die Nutzer üblicherweise für ihre tägliche Arbeit
   benötigen.  Andererseits sollten nicht immer alle Programme für
   jeden Nutzer leicht zugänglich sein.  Aus diesen Feststellungen
   resultiert die Einführung eines Rollenkonzeptes.
</para>

<para>
   Debian-Med definiert die Gruppe <emphasis>med</emphasis>, die durch den
   Administrator mit Hilfe von <emphasis>debconf</emphasis> verwaltet werden kann.
   Bei der Installation des Pakets <emphasis>med-common</emphasis>, von dem alle
   Debian-Med Pakete abhängen, definiert der Systemadminstrator eine
   Gruppe von &quot;Medizin-Nutzern&quot;.  Diesen Nutzern wird ein zusätzliches
   Menü &quot;<emphasis>Med</emphasis>&quot; präsentiert, das alle medizinischen Anwendungen,
   die auf dem System installiert sind enthält.  Das erleichtert den
   Nutzern die Konzentration auf das wesentliche -- ihre tägliche
   Arbeit.
</para>

<para>
   Darüber hinaus können Nutzer der Rolle <emphasis>med</emphasis> zusätzlicher
   Konfiguration ausgestattet werden, die die verwendeten Anwendungen
   für eine optimale Funktion vorbereitet.
</para>

<para>
   Andere Nutzer, die nicht die Rolle <emphasis>med</emphasis> inne haben, kommen
   nicht mit diesem zusätzlichen Menü in Berührung. 
  </para>
 </section>

 <section>
  <title>Was ist Debian-Med nicht?</title>
  <para>
   <emphasis>Debian-Med entwickelt keine medizinische Software.</emphasis>

   Eine oft gestellte Frage ist, ob Debian-Med eine Software für
   bestimmte Probleme entwickeln kann.  Das ist ausdrücklich nicht das
   Ziel des Projektes, da dafür keine Resourcen zur Verfügung
   stehen. Es wird lediglich für die problemlose Integration der
   freien medizinischen Software, die durch Dritte entwickelt wird,
   gesorgt.
</para>

<para>
   Es wird dafür Sorge getragen, daß die für das Gesundheitswesen
   interessante Software innerhalb von Debian optimal funktioniert und
   von Dritten erstellte Software sauber integriert wird.  Diese
   Autoren von medizinischer Software sind in der Regel froh, daß ihre
   Software durch die bekannte Debian GNU/Linux Distribution
   unterstützt wird, um den Bekanntheitsgrad der Software zu erhöhen
   und sicher zu gehen, daß sie reibungslos mit anderen Komponenten
   zusammenarbeitet.
  </para>
 </section>
</section>

<section>
  <title>Probleme bei der Realisierung</title>

   <section>
    <title>Zertifizierung</title>
    <para>

Krankenversicherungen fordern vom Arzt eine korrekte Übertragung von
Daten gemäß den Gesetzten des jeweiligen Landes.  Falls fehlerhafte
Daten übermittelt werden, wird zunächst der Arzt dafür haftbar
gemacht.  Daher ist eine genaue Abrechnung ein entscheidende
ANforderung an ein Praxismanagementsystem.  Nur Software, die
hinsichtlich dieses Kriteriums zertifiziert ist, kann am Markt
bestehen.  Das gilt sowohl für Freie als auch proprietäre Software.

Nach Aussage des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales
(BMfGS) ist eine Zertifizierung von Freier Soaftware durch die KBV
nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Es gibt bereits einen Präzedenzfall für eine technische Lösung dieses
Problems: ISDN-Karten dürfen nur mit Zertifizierung durch das
Bundesamt für Zulassungen in der Telefonkommunikation (BZT) betrieben werden.
Eine Kartenzulassung erfolgt jedoch nur im Verbund mit der
mitgelieferten Software, das heißt, die Kernel-internen Treiber müssen
auch zertifiziert werden.

Technisch ist das derart realisiert, daß der Quellcode durch eine
Prüfsumme geschützt wird.  Anhand dieser Prüfsumme kann getestet
werden, ob der Code unverändert ist und damit mit dem zertifizierten
Code übereinstimmt.
<!-- http://www.wolf-b.de/i4l/i4lfaq-de-8.html#ss8.26 -->
    </para>
   </section>

   <section>
    <title>Änderung gesetzlicher Vorgaben</title>
    <para>

In der Praxis kommt es nicht selten vor, daß gesetzliche Vorgaben an
Praxisverwaltungsprogramme geändert werden, die eine sehr kurzfristige
Anpassung der Software erfordern.  Die Ärzte sind zwingend auf eine
rechtzeitige Aktualisierung der Software angewiesen.  Es bestehen oft
Zweifel, ob Freie Software dieser Anforderung genügen kann, denn es
besteht in der Regel die Ansicht, daß Freie Software vor allem durch
nicht ernst zu nehmende Besessene entwickelt wird, die fern ab vom
Tageslicht auf ihrer Tastatur herumhacken.  Doch dieses Vorurteil ist
so nicht mehr haltbar.
</para>

<para>
Im echten Betrieb eingesetzte Praxisverwaltungssoftware erfordert
definitiv eine kommerziellen Dienstleistung.  Die Nutzer müssen die
Ansicht korrigieren, daß Freie Software wie Freibier funktioniert, daß
man so wie es spendiert wird konsumieren kann.  Die Tatsache, daß der
Quellcode kostenlos zur Verfügung steht und der Anwender die
Möglichkeit hat, diesen frei zu verwenden, impliziert nicht, daß der
Entwickler der Software damit auch die Pflicht hat, dem Anwender bei
allen seinen Problemen zu helfen.  Für diese Hilfe müssen kommerzielle
Dienstleister bereitstehen, die für ihre Leistung bezahlt werden
müssen.  In dieser Hinsicht unterscheidet sich Freie Software in
keiner Weise von proprietärer, denn in jedem Fall muß für die
Dienstleistung ein erheblicher Betrag bezahlt werden.  Bei Freier
Software entfallen lediglich die Anschaffungskosten für eine Lizenz.
</para>

<para>
Darüber hinaus sind Analysten der Ansicht, daß die freie Verfügbarkeit
des Quellcodes den Dienstleistern die Arbeit erleichtert,
Zukunftssicherheit durch Unabhängigkeit vom Hersteller bietet und
daher auf lange Sicht gesehen billiger ist als proprietäre Software.
Am Beispiel der Änderung gesetzlicher Vorgaben soll generell klar
gemacht werden, daß Freie Software nicht mit einer kostenlosen Nutzung
gleichzusetzen ist.  Natürlich können in größeren Institutionen wie
Krankenhäuser auch Spezialisten eingestellt werden, die einen externen
Dienstleister ersetzen, doch auch diese eigenen Spezialisten müssen
bezahlt werden.
</para>

<para>
Die kommerzielle Dienstleistung erfordert das Spezialwissen von
Medizin-Informatikern, die sowohl Kenntnisse in der
Softwareentwicklung als auch in der Medizin besitzen.  Ein
Geschäftsmodell auf der Basis von Freier Software läßt sich für diese
Spezialisten folgendermaßen skizzieren:

 <itemizedlist>
  <listitem>Die Software selbst wird kostenlos zur Verfügung gestellt.</listitem>
  <listitem>Einnahmen werden erzielt durch Leistungen wie:
<variablelist>
<varlistentry>
<term>Beratung</term>
 <listitem>
      über sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von Freier Software oder bei
      der Auswahl aus verschiedenen ähnlichen freien
      Softwareprojekten, was eine detailierte Kenntnis des Freien
      Software Marktes voraussetzt.  Hier beabsicht Debian-Med einen
      guten Überblick über vorhandene Lösungen zu verschaffen.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Installation</term>
 <listitem>
      der Software vor Ort.  Idealerweise sollten die einzusetzenden
      Programme alle in Debian enthalten sein und damit die
      Installation reibungslos von statten gehen.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Dienstleistung</term>
 <listitem>
      in Form von Anpassung der Software an spezielle Bedürfnisse
      nimmt die Firma eigenständig vor.  Es ist jedoch im Interesse
      des Dienstleisters, wenn diese Anpassungen wieder an die Autoren
      des Programms weitergeleitet werden, um sie auch in zukünftigen
      Versionen der Software zur Verfügung zu haben.  Hier kann das
      Bug Tracking System von Debian als technische Instanz zur
      Übermittlung von Änderungen (Patches) dienen.
 </listitem>
</varlistentry>
<varlistentry>
<term>Aktualisierung</term>
 <listitem>
      der installierten Software bei Sicherheitsproblemen oder neuen
      Versionen.  Hier liegt eine große Stärke von Debian, denn
      Aufgaben dieser Art werden technisch äußerst elegant gelöst.
      Debian-Med ist damit in der Hand eines Dienstleisters eine große
      Hilfe. 
 </listitem>
</varlistentry>
</variablelist>
</listitem>
 </itemizedlist>
    </para>
   </section>
</section>


<section>
 <title>Zukunft</title>

<para>
Die ersten Schritte in Form einiger Meta-Pakete, die zur Installation
von Software für die Arbeit im Bereich der Medizin nützlich ist, sind
getan.  Debian-Entwickler aber auch die Entwickler der medizinischen
Software selbst wurden ermutigt, noch nicht in Debian enthaltene
Projekte für zu integrieren.  Es ist damit in naher Zukunft mit mehr
Paketen aus dem Bereich der Medizin zu rechnen.
</para>

<para>
Verschiedene Dokumentationen wurden verfaßt und sind online verfügbar,
die Erfordernisse für ein Rollen-basiertes Nutzermenü sind definiert
und können in einer derzeit stattfindenen Neuorganisation des
Menüsystems von Debian eingearbeitet werden.  Schließlich wurden
<ulink url="http://people.debian.org/~tille/debian-med/talks/index_de.html">verschiedene Vorträge</ulink> gehalten, um das Debian-Med Projekt
bekannt zu machen, wodurch das allgemeine Interesse merkbar gestiegen
ist. 
</para>

<para>
Einerseits ist das Interesse der Entwickler von Freier Software für die
Medizin gestiegen.  Sie erhoffen sich von Debian-Med eine größere
Popularität für ihr Projekt - Debian-Med wiederum lebt von der
Arbeit der Entwickler.  Hier ist eine Art Symbiose zu verzeichnen.

Andererseits wächst auch das Interesse potentieller Nutzer an
Debian-Med, die das Projekt teilweise auch mit Zuarbeiten unterstützen
wollen.  Debian-Med versteht sich hier als Bindeglied zwischen
Entwickler und Nutzer.
</para>

<para>
Die erste Version von Debian-Med wird in der nächsten stabilen Version
von Debian, Codename <emphasis>Sarge</emphasis> enthalten sein.  Das heißt natürlich
nicht, daß <emphasis>Sarge</emphasis> schon eine vollständeige Plattform für alle
Anwendungen im medizinischen Bereich enthalten wird.  Das Erreichen
dieses Ziel ist nicht von Debian sondern von der Entwicklung und
Qualität der durch Dritte erstellten Freien Software abhängig.  Das
Ziel ist jedoch möglichst für jeden Bereich eine Auswahl an Software
zum Evaluieren und Testen zur Verfügung zu stellen.
</para>

<para>
Schließlich wird eine <ulink url="http://www.knopper.net/knoppix/">Knoppix</ulink>-basierte Live-CD erstellt werden, um auf einfache und
elegante Weise die Fähigkeiten von Debian-Med zu demonstrieren.
</para>
</section>

</article>
